Viele verstehen gar nicht, was ich meine oder von ihnen in der Pflege verlange, dabei wäre doch gerade in der Gerontopsychiatrie das Verständnis für Validation vorauszusetzen, wenigstens die Offenheit, sich die Grundprinzipien anzueignen.

Jemanden zu validieren bedeutet, seine Gefühle anzuerkennen, ihm zu sagen, daß seine Gefühle wahr sind.Man braucht sehr viel Einfühlungsvermögen, um in die innere Erlebniswelt der sehr alten desorientierten Menschen vorzudringen
" in den Schuhen des anderen gehen"

Altwerden heisst heute oft sehr alt werden. Nie im Leben lernt der Mensch dieses Altwerden.
Naomi Feil will das anders. Die 69jährige (wird im September 70) aus Cleveland, USA, ist Erfinderin der Validation.

Naomi Feil

Validation ­ die Schuhe wechseln
Naomi Feil wuchs in einem Altersheim in Cleveland auf, das ihre Eltern leiteten. 1956 schloss sie ihr Studium als Sozialarbeiterin an, der Universität von Columbia ab, ihr Spezialgebiet war Gruppenarbeit mit alten Menschen. 1963 dann kehrte sie ins Altersheim nach Cleveland zurück und entwickelte über fast 20 Jahre hinweg die Validationsmethode.
Als ehemalige Off-Broadway-Schauspielerin setzt sie ihr Talent ein, um Einfühlungsvermögen für sehr alte, desorientierte
Menschen zu lehren.
Validation heisst übersetzt «Gültigkeitserklärung».


Bei Naomi Feil bedeutet Validation, den sehr alten, desorientierten Menschen, der zum Teil in der Vergangenheit lebt, so zu akzeptieren, wie er ist. Wer validiert, reist mit in die Welt des zeitlich und/oder örtlich verwirrten Menschen. Wer validiert, geht in den Schuhen des anderen. Doch ganz so einfach ist dieser Wechsel der Schuhe nicht, denn Mut und die Fähigkeit zur Selbstrefelexion gehören viel mehr dazu als etwa eine pflegerische oder psychologische Ausbildung.



lsidor Rose war der erste «Fall» von Naomi Feil. Schon Jahre lebte er im Altersheim. Früher war er Anwalt, heute konnte er nicht einmal mehr richtig sprechen. Früher ging er jeden Tag in seine Kanzlei, jetzt schrie er nur noch zwei Namen und eine Zahl und schlug sich mit dem Gehstock ständig aufs linke Knie.

Isidor hasste den Heimleiter und verfluchte den Dachboden des Hauses. Er war ein alter Mann, galt als schizophren. Jahrelang hatte dieses Urteil über Isidor Rose auch für Naomi Feil Gültigkeit, zu spät erkannte sie die Zusammenhänge zwischen dem undurchschaubaren Verhalten ihres Patienten und dessen unaufgearbeitetem Leben.

Isidor war für seinen Vater ein wertloses Kind, wurde auf dem Dachboden des Elternhauses missbraucht, im Leiter des Altersheimes sah er heute den eigenen Vater. Isidor war kein sehr erfolgreicher Anwalt, einen wichtigen Prozess verlor er, obwohl er im Recht war, die Prügeleinheiten aufs eigene Knie sollten eine Strafe für den damaligen Richter sein. Die Namen und Zahlen, die er immerzu ausrief, waren die Anschrift seiner Kanzlei, seines ganzen Stolzes.

Isidor Rose war im hohen Alter schliesslich nicht mehr fähig, die Fäden seines Lebens alleine zusammenzuführen, Durchlebtes abzuschliessen, um in Würde zu leben und zu sterben.

Giftige Gefühle
«Gefühle die ignoriert werden, gewinnen an Intensität und können giftig werden!» «Gefühle verlieren ihre Intensität, wenn sie validiert werden.»Naomi Feil

Validation heisst also, grundlegende menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, die auch der sehr alte Mensch äussert. Sich sicher und geliebt fühlen, gebraucht werden und produktiv sein, spontane Gefühle ausdrücken können und gehört werden. Damit dies möglich wird, braucht es von den professionellen Betreuern oder den Angehörigen die Kraft, sich in diese Welt der Verwirrungen einzufühlen, Vertrauen zu schaffen, Sicherheit und Stärke zu geben, das Selbstwertgefühl aufzubauen, dem alten Menschen den Lebensstress abzunehmen.

Validationsanwenderinnen und -anwender stellen einfache Fragen, wiederholen Gesagtes, polarisieren absichtlich, lassen die Erinnerung zu. Validation geschieht aber auch nonverbal. Den verwirrten Menschen berühren und mitgehen in seiner Bewegung, ihn streicheln, massieren, den Gedanken folgen, verbindende Gefühle zulassen, auch wenn man sie nicht versteht.

Validation ­ Teamarbeit
Validation sollte in allen Bereichen des Zusammenlebens möglich sein. Vom Heimkoch über den Arzt bis zur Coiffeuse, alle können negative Assoziationen auslösen, oder auf der anderen Seite die Mitträgerinnen und Mitträger der Schuhe eines verwirrten alten Menschen sei